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ORF barrierefrei – Aktionsplan 2021-2024

Aktionsplan Barrierefreiheit

ORF

Dem ORF ist Inklusion und Barrierefreiheit als öffentlich-rechtliches Medienunternehmen ein selbstverständliches gesellschaftliches Anliegen. Durch Audiodeskription für sehbehinderte und blinde Menschen, Gebärdensprachdolmetschung und Untertitelung für schwerhörige und gehörlose Menschen sowie Einfache Sprache für Menschen mit Lernbehinderungen wird der Zugang zum ORF-Programm ermöglicht.
Mit Inkrafttreten einer Gesetzesnovelle (ORF-G § 5 Abs. 2) am 1. Jänner 2021 wurde der ORF verpflichtet, den Anteil seiner barrierefrei zugänglichen Sendungen in TV und Online gegenüber dem Stand Dezember 2020 kontinuierlich zu erhöhen. Jedenfalls die Informationssendungen müssen (nach Maßgabe der technischen Entwicklungen und der wirtschaftlichen Tragbarkeit) so gestaltet sein, dass Menschen mit Seh- und/oder Hörbeeinträchtigung sowie Menschen mit einer intellektuellen Beeinträchtigung das Verfolgen der Sendung erleichtert wird.
Die jährlichen Steigerungen sollen getrennt nach den Kategorien Information, Kunst und Kultur, Unterhaltung, Bildung und Sport und mit der Vorgabe fester Mindestquoten erfolgen.
Bei der Quotensteigerung sind im Sinne einer Schwerpunktsetzung grundsätzlich Informationssendungen, insbesondere Bundesländersendungen, Pressekonferenzen, Wahlberichterstattung sowie die Vor- und Hauptabendzone (19.00 Uhr bis 22.00 Uhr), Kindersendungen und relevante Online-Angebote vorrangig zu behandeln.
Der ORF hat weiters die Verpflichtung, täglich eine Sendung in Einfacher Sprache (zwischen 9.00 und 22.00 Uhr) in einem seiner Programme auszustrahlen.
Aktionsplan Barrierefreiheit

ORF

Die Maßnahmen zur Zielerreichung müssen in einem Aktionsplan festgehalten werden. Der Aktionsplan soll einen Zeitraum von drei Jahren umfassen und fortlaufend geführt werden. Bis 2030 ist die Barrierefreiheit aller Sendungen mit Sprachinhalt anzustreben.
Neben der Steigerung der Quoten muss in dem Aktionsplan auch bekanntgegeben werden, mit welchen Maßnahmen der ORF beabsichtigt, seine Ziele zu erreichen.
Wie auch in anderen EBU-Rundfunkanstalten werden neue Technologien bei dem Ausbau der Barrierefreiheit Unterstützung leisten müssen. Neben der Spracherkennung (Speech-to-Text) zur automatischen Erstellung von Untertiteln und Transkripten wird auch die synthetische Audiodeskription (bei der die akustische Bildbeschreibung von einer künstlichen Stimme gesprochen wird) verstärkt zum Einsatz kommen.

Die wichtigsten Eckpunkte des Aktionsplans:

  • Steigerung der Untertitelungs-Quote von 44,7% auf 49,6% bis 2024
  • Nach Möglichkeiten: Steigerung der Audiodeskriptions-Quote von 4,3% auf 4,9% bis 2024
  • Tägliche Nachrichten in Einfacher Sprache in einem ORF-Programm
  • Schwerpunktsetzung bei Österreichischer Gebärdensprache (z.B. Kindersendungen, Wahlberichterstattung)
  • Verstärkter Einsatz neuer Technologien

Die bisherigen Leistungen im Bereich Barrierefreiheit

Der Aktionsplan gibt nicht nur einen Überblick über die Vorgaben, die in den nächsten Jahren erfüllt werden sollten, sondern auch Einblicke zu den bisherigen Leistungen des ORF im Bereich der Barrierefreiheit.

Untertitelung und Österreichische Gebärdensprache

Aktionsplan Barrierefreiheit

ORF

Der ORF war nach der BBC einer der ersten europäischen öffentlich-rechtlichen TV-Stationen, der den Teletext einführte und 1980 mit der Untertitelung seiner Fernsehprogramme begann.
Seither konnte der ORF sein UT-Angebot kontinuierlich ausbauen. Derzeit werden rund 70% in ORF 1 und ORF 2 und rund 30% in ORF III untertitelt. In der reichweitenstarken Primetime-Zone stehen sogar mehr als 95% aller Sendungen in ORF 1 und ORF 2 mit Untertiteln zur Verfügung.
Aktionsplan Barrierefreiheit

ORF

Seit 2008 bietet der ORF zudem für ausgewählte Sendungen über ORF 2 Europe Gebärdensprachdolmetschung an. Zu den Regelsendungen gehören die „ZIB 1“, „ZIB 1 Wetter“, „konkret“, „Bürgeranwalt“, „Mayrs Magazin – Wissen für alle“, die Nationalratssitzungen aus dem Parlament sowie die Kindersendung „Helmi“ (seit 2020). Zu besonderen Anlässen (z. B. Rede des Bundespräsidenten, Gedenkfeiern) werden ebenfalls nach Maßgabe der Möglichkeiten eine Gebärdendolmetscherin bzw. ein Gebärdendolmetscher zur Verfügung gestellt.
Im Schnitt werden 450 Stunden pro Jahr in Gebärde ausgestrahlt, während des ersten Pandemiejahres 2020 konnte der ORF dieses Angebot aufgrund der starken Nachrichtenlage sogar um 30% auf 596 Stunden erhöhen.

Audiodeskription

Der erste Hörfilm wurde im Jahr 2004 im ORF ausgestrahlt. Seither wurde das Angebot für blinde und sehbeeinträchtigte Menschen schrittweise ausgebaut. Derzeit werden rund vier Stunden täglich (ca. 1.500 Stunden/Jahr) mit akustischer Bildbeschreibung angeboten. Bei der Auswahl der Sendungen legt der ORF ein besonderes Augenmerk auf TV-Highlights wie Unterhaltungsshows („Dancing Stars“, „Starmania“), Sport-Sendungen (Ski alpin, Fußball, Formel 1) sowie Sendungen von großem gesellschaftlichen Interesse (z. B. Ostermesse in Rom).
Aktionsplan Barrierefreiheit

ORF

Wie auch bei der Untertitelung für Menschen mit einer Hörbehinderung, ist es dem ORF ein großes Anliegen, vor allem jene Sendungen barrierefrei zur Verfügung zu stellen, die Teil des öffentlichen Diskurses sind.

Nachrichten in Einfacher Sprache

Bereits seit 2017 werden im ORF TELETEXT Nachrichten in einfacher Sprache ab Seite 470 in der Sprachstufe B1, seit Winter 2018 die gleichen Nachrichten ab Seite 480 zusätzlich in Sprachstufe A2 veröffentlicht.​ Seit Jänner 2020 sendet Radio Wien jeden Sonntag Nachrichten in Einfacher Sprache sowohl für Kinder in der Kindersendung „WoW – Wissen oder Was“ um 8.30 Uhr und um 9.30 Uhr als auch für Erwachsene am Nachmittag um 13.30 Uhr und um 14.30 Uhr. Seit Dezember 2020 gibt es das neue Programmangebot in Einfacher Sprache auch auf Radio Steiermark, wo jeden Freitag um 18.30 Uhr die wichtigsten News der Woche als einfach verständliche Nachrichtenmeldungen gesendet werden. In ORF III gibt es von Montag bis Freitag um 19.25 Uhr Nachrichten in Einfacher Sprache als Fernsehnachrichten und auf news.ORF.at werden seit Mai 2020 täglich sechs Meldungsblöcke (drei am Vormittag, drei am Nachmittag) in einem eigenen Nachrichtenticker prominent auf der Startseite angeboten. Im Jänner 2022 folgten Nachrichten in Einfacher Sprache in allen Regionalradios.
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Nachrichten in Einfacher Sprache helfen nicht nur Menschen mit Lernbehinderungen, die Nachrichtenwelt besser zu verstehen, sondern auch vielen älteren Menschen, Kindern und Menschen mit geringen Deutschkenntnissen.

Die Maßnahmen zur Erhöhung der Barrierefreiheit (Auszug)

  • Erhöhter Mitteleinsatz
  • Einsatz von Speech-to-Text-Lösungen (im linearen TV sowie im Online-Bereich): Bis Spracherkennungssoftwares voll automatisiert Untertitel erstellen, sollen die am Markt erhältlichen Lösungen – soweit sinnvoll und möglich – bei der Erstellung von Untertiteln Unterstützung leisten. In einer ersten Phase könnte so die Produktivität (=Output) der Untertitel-Redakteurinnen und -Redakteure um 35 Prozent, in der zweiten Phase um bis zu 50 Prozent gesteigert werden.
  • Allianzen zur Förderung der Entwicklung eines österreichischen Sprachmodells zur automatisierten Erstellung von Untertiteln: Aufgrund der unterschiedlichen (teils stark ausgeprägten) Dialekte in Österreich stoßen gängige Spracherkennungssoftwares an ihre Grenzen. Der deutschsprachige Markt ist für die internationalen Riesen in der Branche (noch) kein lukratives Business, weswegen vollautomatisierte Lösungen noch länger auf sich warten lassen könnten. Der ORF wird eine Kooperation mit einem Start-up beginnen, um die Entwicklung eines österreichischen Sprachmodells voranzutreiben. Die Kooperation sieht vor, dass der ORF der Firma Daten in Form von Video- und Audiodateien zur Verfügung stellt. Diese werden gezielt und allein für das (interne) Training eines österreichischen Sprachmodells verwendet.
  • Einsatz von synthetischer Audiodeskription: In den nächsten Jahren soll der Anteil von Sendungen mit synthetischer Audiodeskription kontinuierlich ausgebaut werden. Die Kosten von synthetisch hergestellter Audiodeskription betragen nur einen Bruchteil der Kosten von herkömmlich produzierter Audiodeskription, weswegen bei gleichem Mitteleinsatz ein höherer Output möglich ist. Vor allem Dokumentationen, Filme und Serien eignen sich für den Einsatz von synthetischer Audiodeskription.
  • Einsatz von Gebärdensprach-Avataren (langfristiges Ziel): Vor allem im Online-Bereich ist der Einsatz von Gebärdensprach-Avataren für die Übersetzung von Serviceinformationen (z. B. Wetterbericht) vorstellbar. Der ORF beabsichtigt, die Vertreter/innen der Gehörlosencommunity bei den Überlegungen zu den Einsatzbereichen von Avataren miteinzubeziehen.
  • Anteil barrierefreier Hauptabendsendungen (19.00 Uhr bis 22.00 Uhr) weiter ausbauen: Bereits jetzt stellt der ORF einen Großteil seines Hauptabendprogrammes barrierefrei zur Verfügung. Vor allem in ORF 1 und ORF 2, wo die quotenstärksten Sendungen ausgestrahlt werden. In den kommenden Jahren soll der Anteil an barrierefreien Sendungen in dieser Zeitzone noch weiter ausgebaut werden – mit einem verstärkten Fokus auf Sendungen in ORF III sowie Sendungen mit Audiodeskription.
  • Verstärkter Fokus auf Wahlberichterstattung: Mit dem neuen TELETEXT Regional gibt es seit April 2021 einen zusätzlichen Signalweg für einen bundesländerspezifisch schaltbaren TELETEXT. Dadurch können erstmals Live-Untertitel auch für eine regionale Sendung (z. B. Wahlberichterstattung zu einer Landtagswahl) im linearen TV angeboten werden.
  • Verstärkter Fokus auf Kindersendungen: Das Angebot an barrierefreien Kindersendungen soll über die nächsten Jahre weiter ausgebaut werden. Bereits 2020 wurden die neuen Folgen der Verkehrssicherheitssendung „Helmi“ mit Österreichischer Gebärdensprache und Untertiteln angeboten.
Der Aktionsplan wird auch bald in Einfacher Sprache zur Verfügung stehen und kann auf Nachfrage (kundendienst@orf.at) auch in einem anderen Dateiformat bezogen werden.

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