
ORF/Dots&Circles/BR/ARTE/Stefanie Daubek
Mary Romney
„Universum History“ präsentierte Neuproduktion „Vom Paradies in die Hölle – Schwarze Menschen im Nationalsozialismus“
„Vom Paradies in die Hölle – Schwarze Menschen im Nationalsozialismus“ erzählt erstmals die außergewöhnliche Überlebensgeschichte des Lionel Romney, eines afro-karibischen Seemanns, der 1944 ins Konzentrationslager Mauthausen deportiert wurde. Jahrzehnte nach dem Krieg vertraut er seine Erlebnisse seiner Tochter Mary an. Deren Spurensuche – von der Karibik über Italien bis nach Österreich – spannt den dramaturgischen Bogen einer neuen „Universum History“-Dokumentation, die am Freitag, dem 6. Februar 2026, im Rahmen des Programmschwerpunkts zum Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust um 22.35 Uhr in ORF 2 und auf ORF ON TV-Premiere feiert. Im Rahmen der Dokumentation nimmt Mary das Publikum mit in eine Zeit, die geprägt ist von Rassenwahn, Willkür und den langen Schatten des Kolonialismus. Begleitet von österreichischen, deutschen, französischen und US-amerikanischen Expertinnen und Experten wird dieses bislang kaum aufgearbeitete Kapitel erstmals umfassend beleuchtet.

ORF/Dots&Circles/Stefanie Daubek
Jeremias Amoore als Lionel Romney
Realisiert wurde die Dokumentation als Koproduktion von DOTS & CIRCLES GmbH, ORF und BR/ARTE, in Zusammenarbeit mit ORF-Enterprise, mit Unterstützung von Fernsehfonds Austria und Land Salzburg, entwickelt im Rahmen von Documentary Campus Masterschool.
In Anwesenheit des Regie-Duos Stefanie Daubek und Jermain Raffington sowie von Lionel Romneys Tochter Mary L. Romney-Schaab, Schauspieler Jeremias Amoore – er stellt Lionel Romney dar –, von Gerald Heidegger, Ressortleiter Zeitgeschichte/Zeitgeschehen für die Hauptabteilung ORF Wissen, und der „Universum History“-Sendungsverantwortlichen Caroline Haidacher wurde der Film am Dienstag, 27. Jänner, am ORF-Mediencampus präsentiert. Oral History, die Aufarbeitung der Verfolgung Schwarzer Menschen im Nationalsozialismus, das Erbe des Kolonialismus und die Ausblendung der Geschichte Schwarzer Menschen waren auch Thema im anschließenden Panel – moderiert von David Mayonga, Autor, Crew-Mitglied von Deichkind und Kommentarsprecher der Doku – mit Mary L. Romney-Schaab (Autorin), Walter Sauer (Historiker Uni Wien), Claudia Unterweger (Journalistin und Historikerin) und Clemens Radauer (Kultur- und Sozialanthropologe). Ebenfalls unter den zahlreich erschienenen Premierengästen: Herwig Hösele, ORF-Stiftungsrat und Kuratoriumsvorsitzender des Zukunftsfonds der Republik Österreich, Fritz Hausjell, Präsident von Reporter ohne Grenzen Österreich, und Armin Luttenberger, Head of Content Sales International bei der ORF-Enterprise.

ORF/Roman Zach-Kiesling
Caroline Haidacher, Stefanie Daubek, Mary L. Romney-Schaab, Walter Sauer, Claudia Unterweger, Jeremias Amoore, Clemens Radauer, David Mayonga, Jermain Raffington, Gerald Heidegger
Mary L. Romney-Schaab, Tochter von Lionel Romney:
„Durch die Geschichte meines Vaters habe ich auch die Zeit des Zweiten Weltkriegs und des Nazi-Regimes besser verstanden. Dass nun ein österreichisches Filmteam seine Geschichte aufgearbeitet hat, ist von großer Bedeutung für mich, und ich bin stolz darauf, Teil dieses Projekts zu sein.“
Stefanie Daubek, Produzentin und Co-Regisseurin:
„Seit 2018 beschäftige ich mich intensiv mit dieser Geschichte. In dieser Zeit ist eine enge Verbindung zu Mary Romney entstanden, deren Vertrauen und Offenheit dieses Projekt erst möglich gemacht haben. ‚Vom Paradies in die Hölle‘ ist mein absolutes Herzensprojekt – ein Film, der vergessenen Stimmen Gehör verschafft und unsere Erinnerungskultur erweitert.“
Jermain Raffington, Co-Regisseur:
„Als Afro-Deutscher ist dieses Projekt für mich persönlich. Es erzählt nicht nur eine verdrängte Geschichte, sondern macht sichtbar, dass Schwarze Menschen Teil der deutschen und europäischen Vergangenheit sind – auch in ihren dunkelsten Kapiteln. Dieser Film ist Erinnerung, Aufklärung und ein Aufruf zugleich, Rassismus in der Gegenwart nicht zu ignorieren.“
Caroline Haidacher, Sendungsverantwortliche „Universum History“:
„Die Geschichte Schwarzer Menschen ist österreichische Geschichte. Sie aufzuarbeiten, ist ein wichtiger Teil der Erinnerungskultur. Mit dieser Produktion trägt ‚Universum History‘ ein weiteres Mal dazu bei, ein bislang kaum erzähltes Kapitel europäischer Geschichte einem breiten Publikum zugänglich zu machen.“
Gerald Heidegger, Ressortleiter Zeitgeschichte/Zeitgeschehen für die Hauptabteilung ORF Wissen:
„Diese Dokumentation beleuchtet einen blinden Fleck in der Betrachtung der Geschichte der Holocaust-Opfer. Schwarze Menschen sind darin nicht vorgekommen. In einer beispielhaften Aufarbeitung zeigt ‚Vom Paradies in die Hölle‘, wie sehr die Arbeit der Wissenschaft in einer Fallgeschichte münden kann, die als Dokumentation eine ergreifende Geschichte präsentiert, die unterschiedliche Generationen an die Auseinandersetzung mit diesem Thema binden kann. Beispielhaft sind auch die Gestaltungsmittel, die in dieser Dokumentation eingesetzt werden. Diese ‚Universum Histroy‘-Produktion ist ein wichtiger Anstoß in einer breiten Kultur des Gedenkens, die auch bisher marginalisierte Gruppen ins Licht der historischen Betrachtung stellt.“
Mehr zum Inhalt der „Universum History“-Neuproduktion
Lionel Romney, 1912 in Santo Domingo geboren, wächst in Sint Maarten in der Karibik auf. Als junger Mann heuert er voller Tatendrang und Abenteuerlust auf einem Frachtschiff an und verlässt seine Heimat. Doch der Traum von Freiheit wird für Lionel zur tragischen Odyssee: Sein Frachter gerät in die Wirren des Zweiten Weltkriegs, wird im Mittelmeer beschossen und geht unter. Die Besatzung wird zwar gerettet, Lionel landet aber in italienischer Gefangenschaft. Es folgen Jahre der Internierung in italienischen Lagern und schließlich die Deportation ins KZ Mauthausen, wo er nach elf Monaten Haft die Befreiung miterlebt. Erst 40 Jahre später vertraut er seiner Tochter Mary seine Geschichte an.

ORF/Dots&Circles/BR/ARTE/Stefanie Daubek
Mary Romney
Archivmaterial, Interviews und fiktionale Szenen, die im Salzburger Take2Studio entstanden sind, verweben sich zu einem vielschichtigen Erzählfluss. Reduzierte, symbolhafte Bühnenbilder, choreografiertes Licht und 2D-Animationen eröffnen eine visuelle Ebene, die die Vergangenheit neu erfahrbar macht. Hinter dem Projekt steht ein internationales Team unter der Co-Regie von Stefanie Daubek und Jermain Raffington. Daubek bringt ihre langjährige Erfahrung als Produzentin und Regisseurin von Dokumentationen ein, während Raffington als afro-deutscher Journalist und Filmemacher seine Expertise in der Aufarbeitung Schwarzer Lebensrealitäten in Deutschland beiträgt.