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Lisa Gadenstätter im Gespräch mit Hannah und Milena auf einer Treppe in der Schule, während sie von einer Kamera und einem Mikrofon gefilmt werden.

ORF/Neulandfilm/Stefan Vucsina

Lisa Gadenstätter im Gespräch mit Hannah und Milena. Die beiden haben hohe Bildschirmzeiten und Angst, durch das Experiment online etwas zu versäumen.

Wissenschaftliche Auswertung des großen ORF-„Dok-1-Handyexperiments“ mit Lisa Gadenstätter

Psychologe Oliver Scheibenbogen vom Anton Proksch Institut: „Studie ist von höchster Relevanz für die psychische Gesundheit von Schülerinnen und Schülern“
Mehr als 72.000 Jugendliche aus Österreich, der Schweiz, Deutschland und Südtirol haben sich für „Das große Dok-1-Handyexperiment“ angemeldet – die 75-minütige Ausgabe mit Host Lisa Gadenstätter ist am Mittwoch, dem 27. Mai 2026, um 20.15 Uhr in ORF 1 und auf ORF ON zu sehen. Die Anmeldungen erfolgten unter strengen Datenschutzauflagen. Gezählt werden konnten nur jene Personen, die anonymisiert an den wissenschaftlichen Befragungen teilgenommen haben. Knapp 46.000 (45.656) haben diese wissenschaftlichen Befragungen ausgefüllt. Etwa 32.000 davon in der Versuchsgruppe (kompletter Entzug, Light-Variante) und ca. 14.000 in der Kontrollgruppe.
Oliver Scheibenbogen, verantwortlicher Psychologe vom Anton Proksch Institut in Wien, geht allerdings davon aus, dass noch deutlich mehr Personen das Experiment durchgeführt, aber nicht an den Befragungen teilgenommen haben: „Wir wissen, dass sich viele dem Experiment angeschlossen haben, ohne wissenschaftliche Begleitforschung. Aus den Rückmeldungen und Anfragen, die wir bekommen haben, gehe ich davon aus, dass es etwa 20 bis 30 Prozent zusätzlich an teilnehmenden Schülerinnen und Schülern gegeben hat“, so Scheibenbogen.
„Das große Dok-1-Handyexperiment“ wurde wissenschaftlich vom Anton Proksch Institut, einer der führenden Suchtkliniken Europas, und dem IR&C – Investigation, Research & Consulting Center begleitet. Untersucht wurde, wie sich ein dreiwöchiger Handy-Verzicht auf Schlafqualität, Stress und Wohlbefinden auswirkt. Drei wissenschaftliche Befragungen wurden vor Experimentbeginn (4. März 2026), am Ende des Experiments (24. März 2026) und fünf Wochen nach Ende des Experiments durchgeführt, um den Langzeiteffekt zu messen.
Lisa Totzauer, ORF-Chefredakteurin Magazine und Servicesendungen:
„Ich danke allen Schülerinnen und Schülern, Lehrkräften und Eltern für ihre Offenheit und ihren Mut, Teil dieses Experiments zu sein. Genau darin sehe ich die Rolle des ORF der Zukunft als demokratische Infrastruktur, die gesellschaftliche Orientierung gibt, Beteiligung ermöglicht und Räume schafft, in denen wir als Gesellschaft gemeinsam unsere Zukunft verhandeln.“
Lisa Gadenstätter, ORF-Journalistin und „Dok 1“-Host:
„Ich habe Hunderte Videos von jungen Menschen bekommen, in denen sie erzählen, warum sie beim Handyexperiment mitmachen, was sie sich erhoffen und wünschen. Ich habe jedes einzelne Video gesehen und war sehr beeindruckt. Zum einen von der Kreativität, die die Jugendlichen an den Tag gelegt haben, aber auch, wie sie sich selbst mit und ohne Smartphone sehen. Aussagen wie ‚Ich freue mich so, dass ich mal kein Handy habe, dann kann ich endlich mehr mit meinen Freunden machen‘ oder ‚Das Handyexperiment hat mir gezeigt, dass Familie mehr wert ist als das Smartphone‘ haben mich tief berührt. Und ich frage mich, wie und warum wir als Gesellschaft an so einen Punkt gekommen sind, wie wir da wieder rauskommen können und vor allem wie wir den Jugendlichen diesen Druck, der durch Smartphone und Social Media entstanden ist, wieder nehmen können.“
Oliver Scheibenbogen, Leiter der Ambulanz Treffpunkt 1050 und der Akademie des Anton Proksch Instituts:
„Das ‚Dok-1-Handyexperiment‘ ist ansteckend. Das sieht man an der sogenannten Kontrollgruppe. Also an jener Gruppe, die ihr Handy behalten, aber trotzdem die Fragebögen ausgefüllt hat. Über alle Skalen, die wir verwendet haben, sieht man, dass es auch in der Kontrollgruppe eine Verbesserung gegeben hat. Allein durch das Reflektieren und durch die Beschäftigung mit dem eigenen Internet-Nutzungsverhalten hat es hier also Veränderungen zum Positiven gegeben. Eine so große Studie mit so einem experimentellen Design, bei dem dann tatsächlich eine Veränderung passiert, nämlich im Verhalten des Handykonsums, ist von höchster Relevanz für die psychische Gesundheit von Schülerinnen und Schülern.“

Die wichtigsten Ergebnisse der wissenschaftlichen Auswertung nach drei Wochen Handyexperiment:

  • Zwei Drittel haben das Experiment die vollen 21 Tage durchgezogen
  • Jüngere haben eher durchgehalten als Ältere
  • Die meisten Rückfälle hat es an Tag 1 gegeben.
  • 16 Prozent aller, die rückfällig geworden sind, haben am ersten Tag ihre Smartphones wieder benutzt.
  • Jene Gruppe, die komplett auf das Smartphone verzichtet hat, hat insgesamt 7.373.016 Stunden am Smartphone eingespart.
Internet-Nutzungsverhalten
Zum Zeitpunkt der ersten Testung wiesen knapp 71 Prozent ein problematisches Internetnutzungsverhalten auf. Nach drei Wochen ist dieser Wert auf 58 Prozent gesunken.
Depressive Symptome
Bei der ersten Befragung gaben 58 Prozent an, leichte bis mittelgradige Symptome einer Depression zu verspüren. 8 Prozent mittelgradig schwere und 3 Prozent schwere Symptome einer Depression. Nach drei Wochen ist der Anteil jener, die keine Depressionen haben, um etwa 15 Prozent gestiegen. Die leichten bis mittelgradigen Symptome einer Depression sind um ca. 10 Prozent gesunken. Und auch bei den schweren Depressionen hat es einen Rückgang von 2,9 auf 1,7 Prozent gegeben.
Ein- und Durchschlafstörungen
Die Ein- und Durchschlafstörungen haben sich um mehr als 20 Prozent verringert. Für Oliver Scheibenbogen ist dieser Wert beachtlich und zeigt: Es braucht keine Medikamente, um den Schlaf zu verbessern, es reicht einfach, auf das Handy zu verzichten und man merkt Verbesserungen.
Psychisches Wohlbefinden
Drei Wochen ohne Handy bringen eine deutliche Verbesserung des psychischen Wohlbefindens. Es stieg um ca. 18 Prozent an, am stärksten in der Gruppe, die komplett auf das Handy verzichtet hat.
Social Media Verbot
Zwei Drittel der Schüler:innen sprechen sich für ein Socia-Media-Verbot aus – bis zum 12. Lebensjahr sagen 20 Prozent, bis zum 13. Lebensjahr 17 Prozent und bis zum 14. Lebensjahr ebenfalls 20 Prozent.
Details zu „Das große Dok-1-Handyexperiment“ mit Lisa Gadenstätter bzw. „Wir müssen reden! Der Talk nach dem Dok-1-Handy-Experiment“ sind unter tv.ORF.at abrufbar.