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Ö1: „Hundert Häuser – Die Republik Österreich im Spiegel ihrer Architektur“

Zwei Ausstellungen im Funkhaus: „Homages“ und „Die Ahnung eines großen Gefühls“
Am Dienstag, den 15. Mai (17.25 Uhr) startet auf Ö1 die hundertteilige Reihe „Hundert Häuser“, mit der des 100. Geburtstages der im November 1918 gegründeten Republik Österreich gedacht wird. Für jedes der hundert Jahre wird ein Bauwerk porträtiert. In der ersten Sendung steht das Wiener Funkhaus im Mittelpunkt. Aus diesem Anlass beginnen am 15. Mai auch zwei Ausstellungen im Funkhaus: die Klangausstellung „Homages“, die sich auf gänzlich andere Weise der Erforschung und Erfahrung von Architektur widmet, und „Die Ahnung eines großen Gefühls“, eine Ausstellung von Studierenden der „Angewandten“, die dem „Hören“ an sich ist gewidmet ist.
Die Reihe „Hundert Häuser – Die Republik Österreich im Spiegel ihrer Architektur“ ist Teil des Ö1-Schwerpunktes „Jahr der Zeitgeschichte 2018“ und erzählt anlässlich der Gründung der Ersten Republik im Jahr 1918 die Geschichte dieser 100 Jahre anhand von 100 Häusern. Von 15. Mai bis 12. November sind diese hundert vierminütigen Sendungen zu je einem Bauwerk aus je einem Jahr zu hören, immer um 17.25 Uhr in Ö1, von Montag bis Donnerstag.
Begleitet wird das Projekt online mit einer interaktiven Landkarte unter http://oe1.orf.at/hunderthaeuser.
Den Beginn macht am 15. Mai um 17.25 Uhr in Ö1 das Funkhaus in der Wiener Argentinierstraße. Von 1935 bis 1938 wurde es errichtet, nach Plänen der im sozialen Wohnbau des Roten Wien erprobten Architekten Hermann Aichinger und Heinrich Schmid. Der Star-Architekt des Ständestaats, Clemens Holzmeister, übernahm die Planung und verpasste dem funktionalistischen Straßentrakt eine für das austrofaschistische Regime repräsentative, monumentale Front. Die Inbetriebnahme blieb den Nazis. Am 16. Mai wird die Wotruba Kirche vorgestellt (für das Jahr 1976) und am 17. Mai das Olympische Dorf (für das Jahr 1964). Weitere Sendungen widmen sich beispielsweise dem Wohnpark Alt Erlaa (1985), dem Landesmuseum Burgenland (1921), der Murinsel (2003), dem Hotel Europa Salzburg (1957), der Österreichischen Nationalbank (1918), dem Karl-Marx-Hof (1930), Schloß Kleßheim (1940), dem Haas-Haus (1990) oder der Hauptbücherei Wien (2000). Berücksichtigt wird die Architektur aller neun Bundesländer. Porträtiert werden öffentliche Bauten ebenso wie private Initiativen.
Mit der Radioserie „Hundert Häuser“ wird der Versuch unternommen, eine Geschichte der Republik Österreich anhand von Bauwerken des Landes zu erzählen. Meist handelt es sich dabei um das Jahr der Fertigstellung des Bauwerks; manchmal ist es das Jahr seiner Zerstörung oder Stilllegung; und einige Jahre in der Serie sind mit Gebäuden besetzt, die ein historisches Ereignis repräsentieren, obwohl sie zu einem anderen Zeitpunkt entstanden sind. Es sind jedoch nicht nur die großen, wissenschaftlich aufgearbeiteten Bauwerke, die porträtiert werden, sondern zuweilen auch ganz unauffällige, sonderbare oder architektonisch eher belanglose Bauwerke. Eine Berghütte in Tirol wird besucht und ein Baumarkt in Kärnten, zwei Freibäder und ein Kugelhaus. Das Kraftwerk Kaprun, die aus den Hermann-Göring-Werken in Linz hervorgegangene Stahlwelt und die Europabrücke am Brenner stehen für den Wiederaufbau, den wirtschaftlichen Aufschwung und die Zukunftsgläubigkeit der Zweiten Republik, das nie in Betrieb genommene AKW Zwentendorf hingegen für die Abwendung von der Atomenergie und einen Wandel des Demokratieverständnisses. Besucht werden Museen, Konzerthäuser und Büchereien, Kirchen, Friedhöfe und eine Pagode, Einfamilienhäuser, Flüchtlingsquartiere und Wohnsiedlungen für Tausende. Ein Zollamt, ein Stadion und zwei Bahnhöfe. Anrainer/innen und Bewohner/innen führen durch ihr Zuhause, Architekt/innen und Ingenieur/innen berichten über ihre Ideen und Erkenntnisse, das Wissen von Fachleuten wird neben Meinung und Erfahrungen von Laien gestellt. Die Geschichten der „Hundert Häuser“ handeln von Machtwechseln, Vertreibung, Fortschrittsglauben, Megalomanie, Zerstörung, Wiederaufbau, Entwicklungssprüngen, internationaler Zusammenarbeit und Solidarität, Migrationsbewegungen, Friedensbestrebungen, Forschungserfolgen, Arbeitssuche, Individualisierung, Städtewachstum und Landflucht. In Summe ergibt sich daraus ein Bild der Republik im Spiegel ihrer Architektur, ein Mosaik österreichischer Zeitgeschichte.

Hörausstellung „Homages“

Gleichzeitig mit dem Start der „Hundert Häuser“ beginnt im Wiener Funkhaus die Hörausstellung „Homages“, die zum Flanieren einlädt: Ausgerüstet mit Kopfhörern erschließen sich den Besucher/innen beim Gang durch das Funkhaus neue Perspektiven auf dessen Architektur. Entstanden ist das Projekt für das legendäre Haus des Architekten Raimund Abraham, das seit fünfzehn Jahren als „Austrian Cultural Forum New York“ in der 52nd Street in Manhattan in Verwendung ist. Weil es um ein New Yorker Projekt mit österreichischem Kulturauftrag ging, entstanden fünfzehn österreichische, kompositorische Hommagen von unter anderem Olga Neuwirth, Christian Fennesz, Mira Lu Kovacs und Patrick Pulsinger an New Yorker Musik-Modernisten.
Einige Monate später konnte man mit Hilfe dieses Projektes dann im Rahmen des ORF musikprotokolls eine heimliche Ikone der Moderne in Graz erkunden, das ebenfalls aus den frühen 30er Jahren stammende „Grazer Stadtwerke-Haus“, das einzige Beispiel der architektonischen Moderne in der Grazer Innenstadt. Und nun, wiederum einige Monate später, kann mit diesen fünfzehn Kompositionen im Ohr das Wiener Funkhaus erkundet werden. Alle drei Gebäude sind übrigens Teil jener Sammlung von „Hundert Häusern“, die in Ö1 zu hören sind.
Eröffnet wird „Homages“ am 15. Mai um 17.00 Uhr, weitere Termine für die akustische Besichtigung dieser Hörausstellung sind am 17., 18., 24. und 25. Mai sowie am 7., 8., 14. und 15. Juni jeweils von 16.00 bis 19.00 Uhr im Wiener Funkhaus.

Ausstellung „Die Ahnung eines großen Gefühls“

Zu besichtigen ist die Ausstellung im Rahmen der ORF Backstage-Führungen bis 30. September (täglich von 8.00 bis 18.00 Uhr, Backstage-Hotline: (01) 877 99 99, http://backstage.ORF.at).
Vollends zum der Kunst gewidmeten Haus wird das Funkhaus durch eine weitere Ausstellung, die ebenfalls am 15. Mai eröffnet wird. Präsentiert werden Werke angehender Künstlerinnen und Künstler: 25 Studierende der Klasse für Malerei und Animationsfilm der Universität für Angewandte Kunst haben sich in ihren Arbeiten mit der Frage beschäftigt, wie sich eine akustische Kulisse – ob Musik, Gespräch oder Geräusch –, der Malerinnen und Maler bei ihrer Arbeit gewollt oder ungewollt ausgesetzt sind, auf der Leinwand abbilden lässt.
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