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Franz-Grabner-Preis 2018 auf der Diagonale verliehen: „Die Weltherrschaft“ beste TV-Doku, „Gwendolyn“ beste Kinodoku

Im Rahmen der 21. Diagonale wurde am Donnerstag, dem 15. März 2018, in Graz zum zweiten Mal der mit je 5.000 Euro dotierte Franz-Grabner-Preis in den Kategorien „Kinodokumentarfilm“ und „Fernsehdokumentarfilm“ vergeben. Die Auszeichnung würdigt humanistisches Dokumentarfilmschaffen im Andenken an den 2015 verstorbenen ORF-Journalisten und langjährigen Leiter der ORF-TV-Kulturdoku.
 "Die Weltherrschaft"

ORF

Als beste TV-Doku ausgezeichnet wurde der vom ORF koproduzierte Film „Die Weltherrschaft“ von Fritz Ofner über die Mechanismen von Verschwörungstheorien, der als Teil eines transmedialen Projekts mit den öffentlich-rechtlichen Partnersendern ARTE, SRF und BR entstand.
"Gwendolyn":

ORF/Soleil Film

Beste Kinodoku wurde Ruth Kaaserers Porträt „Gwendolyn“ über die gegen ihre Krankheit kämpfende Gewichtheberin und Anthropologin Gwendolyn Leick. Die Festrede anlässlich der Preisverleihung hielt die Journalistin Barbara Tóth.

ORF-TV-Kulturchef Martin Traxl: „Filme, die inhaltlich überzeugen, aber auch filmisch innovativ sind“

Martin Traxl

ORF/Ali Schafler

Martin Traxl

„Der vom ORF mitgegründete und -gestiftete Franz-Grabner-Preis steht für humanitäre Weltansicht und unbestechlichen, kritischen Journalismus. Es werden Filme ausgezeichnet, die inhaltlich überzeugen, aber auch filmisch innovativ sind. Daher freue ich mich, dass mit der Doku „Die Weltherrschaft“ auch eine ORF-Produktion ausgezeichnet wurde, die weit in die mediale Zukunft weist“, sagt ORF-TV-Kulturchef Martin Traxl, dessen Ressort das Projekt verantwortete. „Das Ziel war nicht einfach ein Film, sondern eine Initiative, die alle Plattformen nutzt, um ein möglichst breites Publikum zu erreichen. Ein Spiel mit den Medien, das zugleich deren Gesetzmäßigkeiten und Manipulationsmöglichkeiten offenlegt. Und damit ein starkes Statement zu wichtigen gesellschaftspolitischen Fragen!“, so Traxl.
„Der Franz-Grabner-Preis würdigt Dokumentarfilmschaffen mit kritischem Geist und europarelevanten Inhalten. In Zeiten zunehmender Isolierung von Staaten und Gedanken kommt solcherart hellwacher und humanistischer Gesinnung besondere Bedeutung zu. Eine Auszeichnung als Plädoyer für Empathie sowie Neugier auf diese eine, unsere Welt“, betonen die Diagonale-Intendanten Sebastian Höglinger und Peter Schernhuber.
Initiiert wurde der Franz-Grabner-Preis von Familie Grabner, AAFP, Film Austria, ORF und der Diagonale mit dem Ziel, Filmschaffende für ihren im ethischen und moralischen Sinne verantwortungsvollen und glaubwürdigen Umgang mit dem Medium zu prämieren und diesen damit weiter zu fördern.

Die Jurybegründungen

Mit der Bewertung der insgesamt sechs nominierten Filmproduktionen war eine fünfköpfige Fachjury befasst, bestehend aus Zora Bachmann (Politikwissenschafterin, Kuratorin, AT), Tobias Ebbrecht (Filmwissenschafter, Hebrew University Jerusale, IL), Petra Felber (Leitung Redaktion Dokumentarfilm Bayerischer Rundfunk, DE), Esther van Messel (First Hand Films, CH) und Paul Pauwels (Direktor EDN – European Documentary Network, Kopenhagen, DK). Ihre Entscheidungen begründete die Jury folgendermaßen:
„Die Weltherrschaft“:
„Der Preisträger in der Kategorie ,Fernsehdokumentarfilm‘ behandelt ein zentrales Thema unserer Zeit: den Umgang mit Nachrichten, den Wunsch nach Vereinfachung und die Suche nach Wahrheit in einer immer komplexer werdenden Welt. Er tut dies auf eine Weise, die nicht nur innovativ erzählt und dabei aufklärt, sondern auch den Mut hat, widersprüchliche, teilweise konträre Positionen neben- und gegeneinander zu stellen. Damit überlässt es der Film seinen Zuseher/innen, mit diesen Informationen umzugehen und bestärkt das Publikum darin, den Blick für Manipulation, Vorurteile, Verschwörungstheorien, Angst- und populistische Meinungsmache zu schärfen. Dieser aufklärerische Umgang macht auch vor medialer Selbstkritik und Selbstreflexion nicht Halt und betont gleichzeitig, dass insbesondere Fernsehen und Dokumentarfilm eine wichtige Rolle für die kritische Wahrnehmung von Mediendiskursen spielen können.“
„Gwendolyn“:
„Der preisgekrönte Dokumentarfilm berührt sowohl Herz als auch Verstand und stellt dem Publikum eine Frau vor, die ein Vorbild in Sachen Mut, Ausdauer und Interesse am anderen für uns alle sein kann. Dieser Film ist viel mehr als nur ein Porträt, er ist eine überzeugende Ode an den Glauben an die eigene Stärke und an positive Werte wie Altruismus, Pluralismus und Liebe. Auf bescheidene Art widerlegt die Protagonistin bestehende soziale Vorurteile, bekämpft das Schicksal und wird zur Vorreiterin des freien Willens und der Menschenwürde. Nicht mit großen Worten, sondern mit kleinen Taten zeigt sie uns, wie eine bessere Welt für alle erreichbar ist ... es ist eine Frage des Wollens!“
Weitere nominierte Produktionen in der Kategorie „Fernsehdokumentarfilm“ waren die in ORF III gesendete zwölfteilige Reihe „Dokumente, die die Welt bewegen: Aus dem Inneren des Staatsarchivs“ von Andrea Morgenthaler, Robert Neumüller, Jakob Brossmann und Uli Jürgens sowie die im Rahmen der ORF-Religionsreihe „kreuz und quer“ gezeigte Doku „Wofür es sich zu leben lohnt – Viktor Frankl und die Suche nach dem Sinn“ – eine von Birgit Mosser-Schuöcker gestaltete filmische Reise in die Welt der Psychologie. Weitere nominierte Kinodokumentarfilme waren die mit Mitteln des ORF-Film/Fernseh-Abkommens unterstützte Produktion „Free Lunch Society – Komm, komm Grundeinkommen“ von Christian Tod zur Idee des bedingungslosen Grundeinkommens sowie „Sand und Blut“ von Matthias Krepp und Angelika Spangel – ein dokumentarischer Blick auf die Konfliktregionen Irak und Syrien aus der Perspektive von Flüchtlingen.

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